| Gret Haller |
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DIE GÖTTER AUS DEM WESTEN VON EVA BACHMANN
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In ihrer Analyse der Verhältnisse zwischen Religion und Politik geht Gret Haller zunächst weit in die Geschichte zurück: Wichtige Fixpunkte der europäischen Entwicklung sind für sie der Westfälische Friede von 1648 und die Französische Revolution von 1789. Damit wurde ein Ende der Glaubenskriege besiegelt und das Prinzip von «Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit» an die oberste Stelle gesetzt. «Freiheit und Sicherheit» hingegen lautet das Prinzip der USA. Die puritanischen Auswanderer Europas errichteten auf dem neuen Kontinent einen Staat, der möglichst wenig regeln, dem Einzelnen aber möglichst viel Freiheit lassen sollte. Höher als der Präsident steht Gott. Und wer an ihn glaubt, gehört zu den Auserwählten. Er kann sein persönliches Glück machen: vom Tellerwäscher zum Millionär. Wer arm ist, ist faul - und eine Schande für die Nation. Dieses Denken steht der Vorstellung von der Gleichheit aller Menschen, Ethnien und Nationen fundamental entgegen. Mit dieser ideellen Differenz erklärt Gret Haller nicht nur die unterschiedlichen Haltungen im Bezug auf den Irakkrieg oder die UNO, sondern auch hinsichtlich der Sozialsysteme, der Bewertung von Recht und Moral oder der Aufteilung der Sphären von Staat und Markt. Interessant sind auch die Passagen zum Wiederaufbau in Bosnien, wo die Autorin 1996-2000 Ombudsfrau für Menschenrechte der OSZE war. Sehr differenziert analysiert Gret Haller vor diesem Hintergrund die jüngsten Entwicklungen in Europa und auch in der Schweiz und zeigt auf, wo sich Fundamentalismus auch bei uns langsam breit macht. Ein erhellendes Buch, das kenntnisreich und geschichtsbewusst geschrieben ist und dennoch leicht lesbar bleibt. Gret Haller: Politik der Götter. Europa und der neue Fundamentalismus. Aufbau-Verlag, Berlin 2005, Fr. 32.50 Copyright © St.Galler
Tagblatt |
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